Natürlich mussten wir dann, nachdem wir satt und zufrieden waren, erstmal noch für kleine Rollenspieler und anschließend wollten wir nicht direkt schlafen gehen, sondern vielleicht noch irgendwo was trinken, oder irgendwo lesen. Immerhin hatten wir ja mehr als genug Regelwerke dabei und ich extra Jans Game of Thrones. Nachdem wir zwei Adressen abgeklappert hatten, bei denen Jonas dachte, dass dort eine Bar/Kneipe war, die aber Montag Ruhetag hatte, haben wir uns gesagt "Scheiß auf Konstanzer Flair, wir gehen nu in MacDonalds". Gesagt, getan. Da haben wir dann eine sehr leckere heiße, weiße Schokolade und einen riesigen Latte Macchiato getrunken. Das war auch ganz gut so, denn abends war es doch schon etwas kühl.
Danach ging das ganze Drama überhaupt los. Wir hatten geplant im Auto zu schlafen und wollten, da der Tag ja doch sehr warm war, davon auch nicht abrücken, also mussten wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz machen. Das ist gar nicht so einfach, wie das im ersten Moment klingt, immerhin gibt es einige Dinge zu beachten:
- Es sollte keine Straßenlaterne in direkter Nähe sein, da der Ford eine große Glasfront hat und auch ein großes Panoramadach, sodass man sonst ein bisschen nächtliches Flutlichtgefühl bekommt.
- Es sollte kein Parkplatz zu einem Wohngebiet sein, denn Leute, die am nächsten Morgen zur Arbeit müssen irritieren, oder werden irritiert, wenn man da schläft. Außerdem wecken die Leute und knallenden Türen natürlich.
- Es darf nicht zu abgeschieden und dubios sein. Erstens ist das gruselig und zweitens soll die Polizei ja auch nicht vorbeikommen und uns wegen Vagabundierens festnehmen wollen.
- Es sollte kein öffentlicher Parkplatz einer Schule, einer Kirche oder eines Landesfinanzamt-Abteils sein.
- Es sollte kein Privatgrundstück sein, damit nicht nachts plötzlich jemand ans Fenster klopft und verlangt, dass wir sofort sein Grundstück verlassen.
So gurkten wir also durchs Konstanzer Umland. Irgendwann, nach einigen Plätzchen, die auf den ersten Blick ganz nett schienen, dann aber doch nicht passten, kamen wir irgendwann an einen Parkplatz eines Freibades. Dort schien es uns sofort schnucklig, zumal es schon pechschwarze Nacht war. Doch als wir uns da umsahen und den Platz abfuhren, stand da leider schon ein Kombi, der verdächtig ebenfalls nach Vagabunden, wie uns, aussah. Ich hatte wirklich Angst, was das wohl für Leute sein könnten und war erst zwigespalten, dann dachte ich mir aber, hey, das ist doch ein Abenteuerurlaub, da kann man sowas schon mal machen, also haben wir uns ein Stück von denen entfernt niedergelassen und uns bettfertig gemacht. Der arme Jonas wurde dann, ähnlich wie Jan in der Höhle des Spinnenschrecks, noch eine Weile von mir vollgelabert, um meine Nerven zu beruhigen, als es draußen friedlich anfing zu tröpfeln und bald darauf zu schütten wie aus Eimern. Das hatte tatsächlich mehr etwas beruhigendes als etwas beängstigendes, also bin ich seelig eingeschlummert... - bis Jonas mich dann weckte mit den Worten "Du, ich glaub da ist jemand." ZACK, ich wieder kurz hellwach, nachdem mein Körper den Adrenalin-Kaltstarter gekickt hatte. Aber nachdem außer etwas Taschenlampenlicht auf dem Weg zum anderen Auto nichts war, bin ich schnell wieder weggepennt. Wenn ich eins kann, dann ist es überall friedlich schlafen. Wir haben die Nacht tatsächlich unbeschadet überstanden. Jonas auf dem Beifahrersitz und ich auf der Rückbank. Bettzeug hatten wir ja extra mitgenommen. Es wurde auch nicht kalt oder so. Zumindest nicht vorm Auto verlassen am nächsten Morgen.
Ich hätte aber auf den Schock mit dem anderen Auto auch gut verzichten können. Keine Woche später ist immerhin der "Taximörder" entlaufen und war in der groben Gegend unterwegs...
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